Methode
Eine paradoxe Intervention: Es wir offen über Schimpfwörter gesproche, durch ihre Dekonstruktion wird ihnen die Wirkmacht genommen.
45 Minuten
6 - 10 Jahre, 11 - 16 Jahre
1- 5 Personen, 5 - 15 Personen
1. Die Gruppenleitung bittet die Teilnehmenden, ein Brainstorming über die häufigsten
Schimpfwörter und Beleidigungen durchzuführen, die sie kennen oder selbst gehört haben.
2. Diese werden in Kategorien eingeteilt (mögliche Kategorien: Tiere, Aussehen, Sexualität,
Religion, Intelligenz, soziale Herkunft, ethnische Herkunft, Fäkalien, usw.).
3. Anschließend werden die Wörter dekonstruiert: Was bedeuten sie eigentlich genau? Warum sind sie beleidigend, in
welchem Zusammenhang und für wen? Warum werden sie von verschiedenen Personen als Beleidigung verwendet? Die
Teilnehmer*innen können dann darüber nachdenken und diskutieren, wie sie auf verschiedene Schimpfwörter reagieren
könnten, zum Beispiel indem sie Fragen stellen oder das Schimpfwort nicht als Beleidigung auffassen. Wenn zum Beispiel
das Wort „Schwein“ verwendet wird, kann eine Antwort gegeben werden: „Ein Schwein ist nützlich, intelligent und sauber.
Was gibt es also an einem Schwein zu beleidigen?“
Dies bildet die Grundlage für mögliche Reaktionen, Gegenrede oder Alternativrede. In erster Linie geht es aber darum, die
emotional auffälligen Beleidigungen kognitiv zu reflektieren und damit ihre Wirkung zu reduzieren.
Die Übung eignet sich besonders für die Sozial- und Jugendarbeit, weil sie an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen
ansetzt und dadurch leichter zugänglich ist. Die formalen Anforderungen sind eher gering, auch wenn es in einem rein
bilateralen Gespräch nicht einfach ist. Kleine Gruppen von Jugendlichen, die sich kennen, sind am besten geeignet. Ein
gewisses gegenseitiges Grundvertrauen ist für die Übung notwendig, ebenso wie Vertrauen gegenüber der Gruppenleitung.
© Europarat, 2021